Wir sind daran gewöhnt, dass Zeit nur eine Richtung kennt: vorwärts.
Sekunden vergehen, Uhren laufen weiter, wir werden älter. Vergangenheit liegt hinter uns, Zukunft vor uns. Im Alltag scheint daran nichts rätselhaft zu sein.
Doch die moderne Physik zeichnet ein komplizierteres Bild.
Seit Einsteins Relativitätstheorie wissen wir, dass es keine universelle Uhr gibt, die für das gesamte Universum gleich schnell läuft. Jeder Beobachter und jedes physikalische System bewegt sich entlang seiner eigenen Bahn durch die Raumzeit und besitzt dabei eine eigene Eigenzeit.
Wie schnell Zeit vergeht, hängt von Bewegung und Gravitation ab.
Noch merkwürdiger wird es bei der Antimaterie. In bestimmten mathematischen Darstellungen der Quantenfeldtheorie können Antiteilchen so beschrieben werden, als seien sie Teilchen, die sich rückwärts durch die Zeit bewegen. Ob diese Interpretation mehr als ein mathematisches Bild ist und tatsächlich etwas über die physikalische Natur der Zeit aussagt, ist eine offene Frage.
Die aktuelle Forschung an Antimaterie macht diese Fragen besonders spannend. Antiprotonen können heute erzeugt, gespeichert und sogar transportiert werden. Damit werden Experimente möglich, die vor wenigen Jahrzehnten kaum vorstellbar gewesen wären.
Aus diesen Gedanken entstand die hier gezeigte Uhr.
Im Normalzustand zeigt sie einfach die aktuelle Zeit in Berlin.
Doch zwei Regler verändern ihr Verhalten.
Mit Geschwindigkeit lässt sich einstellen, wie schnell die Zeit vergeht. Mit Zufall verliert die Uhr zunehmend ihre gewohnte Richtung: Sie wird schneller, langsamer, bleibt scheinbar stehen und beginnt zeitweise rückwärtszulaufen.
Je stärker der Zufall wird, desto weniger ähnelt die dargestellte Zeit unserem alltäglichen Zeitgefühl.
Die Uhr ist kein physikalisches Experiment und kein Beweis für rückwärts laufende Zeit. Sie ist ein Gedankenexperiment in Form eines digitalen Kunstwerks.
Was würde es bedeuten, wenn Zeit keine gleichmäßig fließende Größe wäre?
Wenn jedes System nicht nur seine eigene Geschwindigkeit der Zeit hätte, sondern möglicherweise auch seine eigene zeitliche Orientierung?
Und was bleibt von unserer Vorstellung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, wenn die Richtung der Zeit selbst zu einer veränderlichen Größe wird?
Die Physik hat darauf bislang keine endgültige Antwort.
Die Uhr lädt dazu ein, diese Frage für einen Moment sichtbar zu machen … und mit der Zeit zu spielen.





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